Um Hummels Willen.

06 Mai 2016 /
Seit einer Weile starre ich nun auf den blinkenden Cursor. Heute soll es um Mats Hummels gehen und um das Wirrwarr, das sein eventueller Wechsel ausgelöst hat. Doch wie soll man etwas auf Papier bringen, dass man selber noch nicht ganz überblickt. Ich werde es heute mal versuchen.


Alles begann am Abend des DFB-Pokalhalbfinales Hertha BSC gegen Borussia Dortmund. Nach Spielende trat der BVB-Kapitän Mats Hummels vor die Kamera, um mit den Reportern vom Fernsehen das typische Fieldinterview zu führen. Dort ließ er dann folgende Worte verlauten, die in den kommenden Tagen für Aufregung in den sozialen Netzwerken sorgen sollten:
"Ich habe mir ein Datum gesetzt, bis zu dem ich mich entschieden haben will. Ich nenne es aber nicht, da ich fürchte, das Datum nicht einhalten zu können. Irgendwann werde ich mich erklären und dann werden die Leute verstehen, wieso ich mich so schwer getan habe"
Mit "die Leute" waren die BVB-Fans gemeint und diese würden nur zwei Wege nicht verstehen können. Den in Richtung Gelsenkirchen zum FC Schalke 04 (den vermutlich niemand verstehen könnte) und den in Richtung Heimat zum FC Bayern München.

Hummels und Bayern, das hat eine Vorgeschichte 

Es wäre nicht Mats Hummels erster Vertrag bei den Bayern. Hummels stammt aus Bayerns Jugend wurde unter Klinsmann aber abgesägt und an den BVB verkauft. Sein Vater Hermann Hummels war einst in der Jugend des Vereins tätig, auch hier endet das Verhältnis anscheinend nicht gut. Der Vater ist aktuell der Spielerberater von Mats. Aufgrund dieser schlechten Verhältnisse ließ Mats Julian Hummels selten eine Gelegenheit aus gegen seinen Ex-Club zu sticheln. Und auch als der ehemalige BVB-Profi Mario Götze zu den Bayern wechselte, zeigte er deutlich, was er von dieser Entscheidung hielt. Nun soll er also selbst zu diesem Verein zurück? Für viele Fans unverständlich. 
"Ich würde mir Bayern zutrauen. Bei einem Sportler ist es grundsätzlich so, dass er etwas, was er einmal nicht geschafft hat, noch einmal versuchen möchte. So ist es auch bei mir. Ich habe in diesem Verein über zwölf Jahre gespielt. Da möchte ich mich noch mal beweisen."
Aus diesem Zitat aus dem Jahr 2010 hört man sehr gut heraus, was Hummels antreiben könnte. Es sind nicht nur die Titel (die natürlich auch) oder das Gehalt, das beim BVB ähnlich hoch sein wird, sonder vor allem das Gefühl sich beweisen zu wollen. Damals hielt man ihn nicht für gut genug und gab ihn ab, heute gehört er zu den besten Innenverteidigern der Welt und kann es den damaligen Entscheidern unter die Nase reiben.

Noch ist nichts entschieden

Hummels hat dem BVB mitgeteilt, dass er gerne zum FC Bayern München wechseln würde, das steht seit der Ad-hoc-Mitteilung, die der BVB als börsennotiertes Unternehmen herausgeben muss, fest. Doch was auch feststeht, ist das dieser Transfer für den FCB nicht gerade günstig werden könnte. Mats Hummels hat nur noch ein Jahr Vertrag. Ein guter Grund für einen Spieler, der gerne kommen möchte, keine zu hohe Ablösesumme zu zahlen, doch bei Hummels könnte dies anders aussehen. Er kündigte einst an, dass bei einem Wechsel eine hohe Summe an den Verein gehen soll, der ihn groß gemacht hat. Eine entsprechende Ablöse scheint also unvermeidlich, gerade wenn man die Transferpolitik des BVB betrachtet. (Ich sage nur Robert Lewandowski.) Doch sollte der FC Bayern nicht zahlen, könnte Hummels Ego gekränkt werden und er sich letztlich doch gegen einen Wechsel entscheiden. Erst kürzlich hieß es wieder, dass aktuell ein Verbleib beim BVB am wahrscheinlichsten wäre. Woher diese Informationen kommen und wie man sie mit der Ad-hoc-Meldung in Einklang bringen kann und will ist aber fraglich. 

Die menschliche Seite des Wechsels

Auf Seiten der Bayern-Fans begrüßen die meisten den Transfer. Man hat mit Familie Hummels nicht die allerschlimmsten Erfahrungen gemacht und die Aussagen gegen den FC Bayern muss man einem Spieler nun einmal verzeihen, schließlich schießen die meisten einmal in ihrer Karriere gegen diesen Verein und Hummels hatte ja auch allen Grund dazu. 

Auf Seiten der BVB-Fans sieht es etwas anders aus. Die allgemeine Emotionalität, die in dieser Fanmasse steckt, zeigte sich bereits in ihrer vollen Bandbreite. Während alle Fans zumindest etwas enttäuscht und traurig sind, was bei einer Vereinszugehörigkeit von 8,5 Jahren und dem Kapitänsamt durchaus verständlich ist, schlägt dies bei einigen in Wut um. Beim letzten Spiel wurde Mats Hummels mit einem Pfeifkonzert begleitet und wüst beschimpft. Verantwortliche und Teamkollegen äußerten sich offiziell und auch weniger offizielle (*hust* Marco Reus *hust*) entrüstet über diese Reaktionen. 

Die sportliche Seite des Wechsels

Der FC Bayern kann sich freuen, wenn der Deal zustande kommt. Neben Jerome Boateng einem der besten, wenn nicht sogar dem besten, Innenverteidiger der Welt, könnte man nun noch Mats Hummels gewinnen. Ein Traumduo in der Abwehr, gerade was den Spielaufbau betrifft. Zuletzt gab es auf der Innenverteidigerposition immer mal wieder Probleme bei den Bayern. Medhi Benatia haderte immer wieder mit kleineren Muskelverletzungen, Holger Badstuber rutscht bedauernswerterweise von einer Langzeitverletzung in die Nächste und auch Javi Martinez, eigentlich Mittelfeldspieler, fiel immer wieder verletzt aus. Zuletzt spielte zeitweise eine Zwergenabwehr aus Alaba und Kimmich in der Innenverteidigung. 

Der BVB verliert einen wichtigen Fußballer, dessen Verlust aber vielleicht mit einer adäquaten Ablösesumme aufzufangen wäre. Fraglich ist, was der BVB daraus macht. Viel deutlicher ist vermutlich der Verlust des Menschen Mats Hummels. Er schien in der Mannschaft als Kapitän sehr geschätzt und neigte ebenfalls dazu deutliche Worte zu wählen. Zudem fühlten sich viele Fans sehr verbunden mit ihm. 

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