Reisebegegnungen: Zwischen Binyamina, Köln und München

16 Mai 2016 /
Als Ariana zur Bloggerparade mit dem Thema "Reisebegegnugen" aufgerufen hat, habe ich lange überlegt. Hatte ich solche Begegnungen? Ich reise meistens in Gruppen. Egal, ob mit Familie oder Freunden, alleine bin ich selten. Trotzdem habe ich vier Erinnerungen, die mir bei dem Thema eingefallen sind. Viele davon sind aus Deutschland, denn auch hier kann man tolle Begegnungen erleben.

Der etwas andere Abend in Israel

Letztes Jahr war ich zu einem Jugendaustausch in Israel. Es mag circa die Hälfte unserer Zeit bereits vergangen gewesen sein, als ich und meine Austauschpartnerin gemeinsam mit zwei anderen den Bus an einer ungewohnten Stelle verließen. Wer mit Israelis unterwegs ist, der gewöhnt sich an, irgendwann nicht mehr nachzufragen, wohin es denn geht. Die Menschen dort sind sehr spontan. Selbst wenn du eine Antwort erhälst, wurde der Plan vermutlich gerade in diesem Moment geändert. Als ich nun also nachfragte, was wir denn hier machen würden, bekam ich die Antwort. "We are going to Yuvals place." Aha, jetzt war nur noch die Frage wer diese Person namens Yuval war. 
Das klärte sich wenig später auf, als uns ein fast blonder Junge die Tür öffnete. Yuval also. Wir betraten sein Haus und befanden uns gleich darauf in einer Küchen auf deren Boden eine Matratze lag. Im TV lief Fußball, ein Spiel aus der englischen Premier League. Gebannt schauten wir also zu. Während unsere Austauschschüler beschlossen ein paar Zimmer weiter ein Computerspiel zu spielen, ließ unser unbekannter Gastgeber uns allein. Jedoch nicht ohne das wir ihn vorher nach dem Wlan-Passwort fragten. Da es bei uns durchaus nicht üblich ist, allen das dieses zu verraten, waren wir ein wenig über seine Antwort erstaunt. Natürlich würde er uns das Passwort geben. Es täte ihm leid, dass er das noch nicht gemacht hatte. Nach einer Weile kehrten unsere Austauschschüler zurück und es wurde begonnen ein Kartenspiel zu spielen. Yuval und einer unser Austauschschüler nahmen sich eine Joghurt und gesellten sich dann zu uns. Der andere Deutsche im Raum fragte, ob er auch etwas zu essen haben könnte. Entsetzt schauten die Israelis ihn an. Wenn er Hunger haben würde, solle er doch einfach etwas aus dem Kühlschrank nehmen. Immer wieder denke ich an diese Szene zurück. Es gibt glaube ich kaum einen Moment, den ich auf meiner Reise erlebt habe, der die Menschen aus Israel besser charakterisiert. Gastfreundlich und unkompliziert. Gerade Letzteres ist etwas, dass ich hier in Deutschland manchmal vermisse.


Auf dem Weg nach Köln

Es ist schon etwas her, als ich mich zur zweiten Auswahlrunde meines zukünftigen Studiums machte. Irgendwann Anfang Januar saß ich also in einem Zug nach Köln, wo ich dann Umsteigen sollte. Wie immer auf meinen Bewerbungsreisen hatte ich mir einen Platz reserviert. Denn nichts ist schlimmer als auf einer langen Fahrt keinen Sitzplatz zu bekommen (dazu später mehr). Da ich einige Monate zuvor eine Hochzeit fotografisch begleiten durfte, wollte ich an den letzten Bildern arbeiten und hatte mir einen Platz an einem Tisch reserviert. Neben mir ließen sich zwei Geschäftsmänner nieder, die über den neuen Internetauftritt ihres zu beratenen Unternehmen sprachen. Da ich keine Lust zum Tippen hatte, machte ich eine Sprachnachricht um etwas mit einer Schulfreundin zu klären. Und so kam ich mit den beiden Männern ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass sie kurz vorher erst über Sprachnachrichten gesprochen hatten. Schnell entwickelte sich ein Gespräch, welches sich irgendwann in Richtung meiner letzten Sommertour und somit zum Fußball drehte. Einer der beiden Herren verließ den Zug, während ich mich weiterhin mit dem anderen über meinen Lieblingssport unterhalten konnte. Schneller als Gedacht verabschiedeten wir uns in Köln voneinander. Aber nicht ohne das er mir vorher von seiner Hochzeit erzählte, als er sah, was ich auf meinem Laptop tat. 

Zwei Deutsche, ein Amerikaner und zwei Inder trafen sich in einem Zug

Klingt wie der Beginn eines ziemlich schlechten Witzes, ist aber eine meiner interessantesten Begegnungen auf einer Reise. 2. Oktober 2015, an meinem 19 Geburtstag treffe ich mich mit einer Freundin gleich nach der Schule am Hauptbahnhof. Ziel: Das Münchener Oktoberfest. Zuerst läuft alles super. In unserer Kleinstadt, die relativ zu Beginn der Strecke liegt, steigen nicht viele Leute ein, sodass wir ohne Probleme einen guten Sitzplatz bekommen. Wir machen es uns bequem, packen einen Haufen Süßigkeiten aus und fangen an uns über alles mögliche zu unterhalten. Einige Stunden später ist es Zeit zum Umsteigen. Natürlich haben wir Verspätung, was dafür sorgt, dass wir zu unserem ICE rennen müssen. Froh endlich im Zug zu sein, bemerken wir das nächste Problem. Ab Frankfurt wollen dann wohl ein paar mehr nach München und so sieht auch der Zug aus. Restlos ausgebucht. Nach einigem Suchen geben wir uns geschlagen und breiten unser Nachtlager auf dem Boden des geschlossenen Bistrowagens aus. Wer schon einmal Zug gefahren ist, weiß dass dieser ohne Teppich auskommt. Neben uns machen es sich auch ein paar andere Leute gemütlich. Schlafen kann ich in Fahrzeugen nie. Trotzdem setzte ich meine Schlafmaske auf und lege mich hin. Nach einige Zeit habe ich keine Lust mehr zu liegen und es ist auch einfach kalt dort auf dem Boden. Meine Freundin und ich fangen ein Gespräch mit drei jungen Männern neben uns an. Sie sprechen alle nur Englisch. Einer kommt aus Amerika, die anderen beiden sind Inder. Sie erzählen uns, dass sie sich zufällig am Flughafen trafen und dann zusammen blieben. Der Amerikaner versucht uns mit Witzfragen zu unterhalten. Nachdem er seine erste Frage selbst auflösen muss, schauen alle etwas verdutzt. Schnell steht fest. Den Witz verstehen nur Amerikaner. Er verspricht Besserung und gibt uns das nächste Rätsel. Auch hier geben wir anderen uns geschlagen. Am Ende stellte sich heraus, dass auch diesen Witz nur Amerikaner verstehen. So verbrachten wir einige Zeit damit uns die Zugfahrt mit dem Gespräch angenehmer zu gestalten. Und es hatte geklappt. Auch wenn wir diese Begegnung super fanden, kauften wir gleich am nächsten Tag in München Sitzplatzreservierungen für unsere Rückfahrt.



Nervositätsbekämpfer

Auch meine letzte Begegnung machte ich wieder auf einer Bewerbungsreise. Dieses Mal handelt es sich um meine aller erste. Ich war in München zu einem Bewerbertag eingeladen. Den Abend vorher hatte ich bereits mit einem Freund an einer Selbstpräsentation gearbeitet. Am Tag des Gespräches wachte ich also mit extremer Nervosität im Hotelzimmer auf. Situationen in denen ich mich selbst präsentieren muss, fallen mir sehr schwer. Zudem schlagen mir solche Ereignisse schnell auf den Magen. Mit Bauchschmerzen und Übelkeitsgefühl ging ich also runter zum Frühstück. Irgendetwas musste ich ja essen, schließlich begann der Bewerbertag um 9:00 Uhr und endete erst um 17:00 Uhr. Ich schnappte mir eine für München typische Brezel und setzt mich zu einem Mann an den Tisch. Er lächelte mich freundlich an. Schnell versuchte er mich in ein Gespräch zu verwickeln. Er kam aus Tennessee und war hier, um die Berge zu bewandern. Wir unterhielten uns über Norddeutschland und seinen Wunsch einmal nach Hamburg zu reisen. Er lobte mein tolles Englisch und versicherte mir, dass ich das Bewerbungsgespräch schon schaffen würde. Plötzlich klingelte mein Wecker und sagte mir, dass ich nun hoch musste, um mir mein Outfit anzuziehen und auszuchecken. Meine Brezel hatte ich schon lange auf und bis heute bin ich dem Unbekannten aus Tennessee dankbar, dass er mir die Nervosität vor meinem ersten Bewerbertag für eine Stunde nahm.  


1 Kommentar:

  1. Was für schöne Begegnungen :) Vor allem die Geschichte aus Israel gefällt mir - Wenn du Hunger hast, nimm dir doch was aus dem Kühlschrank, eine super Einstellung. Bei uns sagt man zwar immer "Fühl dich wie zu Hause", aber letztendlich ist das meistens nur eine Phrase. Vielen Dank für den tollen Text zu meiner Blogparade!

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Liebe Grüße Anneke